Die Unzumutbarkeit von Schulöffnungen für Kinder

Ich weiß, nicht jeder wird meine Meinung teilen. Und zumindest ein Teil derjenigen mit anderer Meinung hat auch gute und berechtigte Gründe dafür (wenn nicht sogar alle).

Dennoch verstehe ich nicht, wieso hier in Deutschland bereits so viel die Lockerung der Maßnahmen verlangt wird und mir graut ganz ehrlich davor, dass es geschieht.
Eigentlich hat es ja schon begonnen. Testphase.

Wenn ich mich draußen umschaue, dann sehe ich teils kaum Menschen, die eine Maske tragen (ich verwende diesen Begriff, weil es ja um Mundschutz bereits diverse Diskussionen gab, ob der Begriff gerechtfertigt ist, wenn es sich nur um OP-Masken, selbstgenähte aus Stoff etc. geht, außerdem ist das Wort kürzer). Das schwankt, aber es sind eindeutig zu wenige. Und ebenso gibt es immer noch viel zu viele Menschen, die viel zu wenig auf ausreichend Abstand achten. Sei es im Supermarkt oder in Bahnhöfen – wo es aber auch nicht immer möglich ist – oder sei es aber auch draußen auf den Wegen. Da laufe ich, gehe an den Rand, aber die mir entgegenkommende Person bewegt sich nicht an den Rand auf der anderen Seite, sondern bleibt mitten auf dem Weg. Wenigstens 1,5 m Abstand? Fehlanzeige. Maske? Fehlanzeige.

Ebenso ist mir durch die derzeitige Situation auch bewusst geworden, wie viele Baustellen es gibt. Nicht die großen, sondern gern kleine, gern welche, die nur ein paar Stunden am Tag existieren bzw. immer wieder versetzt werden (ich konnte die letzten zwei Tage vom Fenster aus Bauarbeiten beobachten, bei denen der Fußweg zeitweise ganz oder teils gesperrt war). Diese kann man allein für einen Spaziergang gar nicht planen. „Ich gehe ja nur spazieren und weiche aus.“ Wenn aber genau der Weg zum Park, wo es genügend Abstand gibt, davon betroffen ist, kann man nicht ausweichen. Das ist mein Grund für eine generelle Maskenpflicht zu sein, auch wenn mir bewusst ist, dass es dementsprechend auch ausreichend Masken geben müsste. Allerdings ist die Produktion diesbezüglich am fortschreiten, soweit ich das beobachten kann. Und ich habe bereits zu viele Aussagen gehört, dass Menschen erst dazu greifen, wenn es tatsächlich verpflichtend ist. Die Pflicht ist also anscheinend unumgänglich, denn der gesunde Menschenverstand fehlt mir bei einigen an dem Punkt.

Das als eine Art Einleitung, denn im Endeffekt dürften die meisten, die das hier lesen erwachsen sein und solange es an einer Verpflichtung fehlt, müssen sie die Entscheidung selbst treffen und meine Worte werden dabei vermutlich kein großes Gewicht haben.

Der Punkt, auf den ich eigentlich hinaus will, ist ein ganz anderer.

Aus all den bereits angesprochen und diskutierten Lockerungsmaßnahmen möchte ich mir einen herausgreifen: Die Öffnung der Schulen (und da es ab 30.04. in Berlin auch die Spielplätze betreffen soll, kann ich diese eigentlich auch mit einschließen).

Diese Öffnung soll stufenweise stattfinden, dennoch ist immer wieder die Rede von Einhaltung der Maßnahmen. Dazu zählt der Mindestabstand, dazu zählen die Masken und der korrekte Umgang mit diesen. Und allein da frage ich mich, ob denjenigen, die die Öffnung verlangen, bewusst ist, was sie damit von den Kindern erwarten.

Wer von euch achtet darauf, wie oft si_er sich ins Gesicht fasst? Was si_er vorher berührt hat? Mit der ganzen Hand? Mit nur einem Finger? Wie oft fasst ihr euch unbewusst ins Gesicht?
Ja, unbewusst. Denn das passiert eben sehr viel häufiger als es uns bewusst ist.

Warum ich das anspreche? Weil mein Bewusstsein diesbezüglich verändert ist.
Ich habe im letzten Jahr über meine Ängste geschrieben, die sich um Ansteckung drehen. Vorwiegend um Ansteckung mit Krankheiten, die per Berührung übertragen werden. Und genau deswegen achte ich – sobald ich die Sicherheit meiner Wohnung verlasse – sehr genau darauf, was ich wie berühre, inwiefern ich mir ins Gesicht fasse usw. Und ich weiß daher ebenfalls, wie viel Konzentration und Energie es braucht, genau dies zu tun.

Wie lange könnt ihr euch darauf konzentrieren, das lückenlos nachzuverfolgen? Bei Berührung entsprechend die Hände zu waschen?
Da krabbelt es an der Wange und die Hand geht automatisch ins Gesicht. Derzeit sollte – eben bei Öffnung der Schulen – die Maske sitzen, die man nicht berühren soll, was eben das korrekte sorgfältige Händewaschen nach sich ziehen muss.
Wie lange könnt ihr euch darauf konzentrieren? Und nebenbei noch etwas anderes tun? Denn dafür sitzen die Kinder und Teenager in den Schulen. Sie müssen eigentlich die Konzentration für das Unterrichtsgeschehen aufbringen. Und sollen parallel dazu aber darauf achten, nicht unbewusst etwas anzufassen, sich ins Gesicht bzw. gegen die Maske zu fassen.
Mal wirklich, wie lange schafft ihr das? Lückenlos!

Ich hatte den Vorteil, in das hineinzuwachen. Denn meine Ängste sind gewachsen und damit bin ich stufenweise in diese Aufmerksamkeit gerutscht.
Das ist derzeit nicht möglich. Wenn die Schulen geöffnet werden, müssen die Schüler_innen es sofort beherrschen. Jeglichen Abstand korrekt einzuhalten, die Masken korrekt anzuwenden, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen.
Davon, dass es Schulen gibt, die nicht einmal das gründliche Händewaschen ermöglichen, spreche ich dabei noch gar nicht (selbst das Kolleg, in dem ich meinen Volkshochschulkurs besuche (derzeit natürlich nicht) – eine Schule für Erwachsene – hat zumindest im Nebengebäude nur Kaltwasser, aber immerhin Seife).

Warum ich das hier gerade alles schreibe?
Weil ich eben weiß – aus ganz persönlicher Erfahrung heraus -, wie anstrengend es ist, darauf zu achten.
Und ich eben kein Kind bin.
Seit wann können Kinder das leisten, was vielleicht Erwachsene umgesetzt bekommen. Und ja, ich betone dieses eine Wort ganz bewusst, denn auch für Erwachsene braucht das bereits viel Anstrengung. Für Kinder ist so etwas aus meiner Sicht absolut unzumutbar.

(Die erwähnten Spielplatzöffnungen laufen auf dasselbe Prinzip hinaus. Kinder vergessen beim Spielen und das sollen sie auch. Nun sollen sie sich permanent an die Abstandsregeln erinnern, sich nicht ins Gesicht fassen, sich nicht die Strähne aus dem Gesicht streichen, die vom Wind dorthin geweht worden ist, nachdem sie sich am Klettergerüst, an der Schaukel oder woran auch immer festgehalten haben, die vorher von anderen Kindern berührt worden sind. Denn genau das ist es, was der verantwortungsvolle Umgang mit sich bringt.)

Hat jemand von euch ebenfalls Erfahrungen damit?
Traut ihr euch selbst das zu?
Wollt ihr das Kindern zumuten?

Bis denne ☆

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