Japanisch schreiben lernen: Hiragana und Katakana

Ich hatte vor einiger Zeit auf Twitter gefragt, ob Interesse daran besteht, dass ich mal darüber rede, wie ich das japanische Schriftsystem gelernt habe/lerne, bezogen auf Hiragana/Katakana und meine Herangehensweise an Kanji. Dem ist so gewesen, also komme ich heute mal dazu.

Vorab zu meinem „Werdegang“.
Ich habe bereits 2006 begonnen, an der VHS Japanisch zu lernen. Nun ist das Tempo bei 12 x 3 Unterrichtsstunden à 45 Minuten im Semester nicht sehr hoch. Damals ging es noch, aber das hat sich im Laufe der Jahre geändert.
Das ist einer der Gründe, warum ich bereits so lange lerne und die Sprache ganz eindeutig noch längst nicht beherrsche.
Weitere Gründe liegen in jahrelanger Pause, weil es für mich keine Kurse auf einem passenden Level gab (5,5 Jahre) und ebenfalls an der Unterrichtsweise. Ich kann problemlos eine neue Grammatikform durchkonjugieren, wenn sie einmal erklärt worden ist, denn das ist im Japanischen sehr systematisch mit sehr wenigen Abweichungen. Prinzip einmal verstanden, schnell umgesetzt. Und genau das machen wir vorwiegend. Dieses Mal jene Form, nächstes Mal eine andere (auch zur Wiederholung, wo es dann heißt, kurz reinfinden, wie ging das noch mal, ah ja, alles klar). Aber das ist keine wirklich Anwendung. Ich kann kaum differenzieren, was ich wie am besten umsetze, um mich auszudrücken. Und behalte aufgrund der Splittung auch selten alles im Kopf.
Ich merke, dass ich manchmal Formen, die ich online sehe, ganz langsam verinnerliche und dann auch schneller abrufen kann. Aber für etwas Tiefgreifenderes reicht der Unterricht nicht. Ich kritisiere das auch nicht. Kurse, die höhere Anforderungen haben, kosten entsprechend mehr.

Ich habe damals Kurs für Kurs besucht, sie waren da auch noch ganz gut gefüllt (meine Kurse jetzt sind seit langer Zeit mit gerade mal vier Teilnehmenden gerade so stattfindend und wir hoffen jedes Mal, dass keiner von uns abspringt).
Während ich das 1. Semester nur den einen Kurs hatte (in dem die Hiragana vermittelt wurden), wurde im 2. und 3. Semester zusätzlich noch ein Kanji-Kurs durch eine andere Dozentin angeboten. Da habe ich dann zwei Kurse pro Woche besucht. Einmal den regulären Grundkurs (im 2. Semester waren dort die Katakana dran) sowie der Kanji-Grundlagenkurs sowie ein weiterführender. In der Zeit kam ich mit knapp 500 Kanji in Berührung.

Hiragana/Katakana

Da dies beides Silbenalphabete sind, haben wir in den beiden Semestern meist pro Woche fünf Silben gelernt (immer die komplette Vokalreihe, z. B. a, i, u, e, o; ka, ki, ku, ke, ko usw.). Wir haben im Unterricht geübt, wer wollte, zusätzlich zu Haus.

Bei mir sah das so aus, dass ich mit Musik gelernt habe.
Da ich einige Monate zuvor begonnen hatte, japanischsprachige Musik zu hören, habe ich mir Songtexte rausgesucht, die romanisiert waren, also in Buchstaben umgeschrieben. Diese habe ich als Vorlage genutzt. Aufgrund der Art, wie dies meist gemacht wird, haben sich ein paar Fehler eingeschlichen, aber für die reine Übung selbst, war das nicht weiter schlimm.[1]


Hiragana
(zum Vergrößern das Bild anklicken)


Katakana
(zum Vergrößern das Bild anklicken)

Ich habe hier mal den Anfang eines solchen Textes fotografiert. Oben die Übung von damals. Zusätzlich habe ich das jetzt einfach noch mal gemacht, auch, weil sich die Schrift mit aufkommender Routine ein bisschen verändert hat.
Einmal für die Hiragana und ebenfalls für die Katakana mit demselben Text. (Diese eben erwähnten „Fehler“ habe ich jetzt übrigens gleich durch die richtigen Hiragana/Katakana ersetzt, weil ich das mittlerweile eher erkenne.)
Ich habe übrigens in jedem Beispiel auch heute was vergessen (bei den Hiragana fehlt in der letzten Zeile ein „n“/ん, bei den Katakana in der letzten Zeile des ersten Absatzes ein „mai“/マイ).

Ein paar Tage später habe ich mir dann die Hiragana oder Katakana zur Hand genommen und diese wieder in Buchstaben übertragen. Diese habe ich dann wiederum mit dem Ursprungstext, den ich als Vorlage genutzt habe, abgeglichen.

Wobei ich auch sagen muss, dass diese romanisierten Texte teils eine absolute Katastrophe sind, was die Gliederung betrifft. Ich nehme an, diejenigen, die sie online gestellt haben, hatten von der Sprache auch nicht zu viel Ahnung. Bei mir wäre vor Jahren auch nichts Besseres rausgekommen, das soll also keine Kritik sein. Ich sehe nur jetzt, wie schwer es mir dieses Mal gefallen ist, weil ich ständig aus dem Wortfluss raus war und überlegen musste, was wohin gehört. Ich bevorzuge deswegen auch Originaltexte. Die ich im Übrigen auch selbst romanisiere. Einerseits weil ich sie so schnell nicht lesen kann bzw. viele Kanji noch immer nicht kenne, andererseits als Leseübung.

Für mich war das damals ein guter Weg. Wenn ich Zeichen immer nur in derselben Reihenfolge lerne, präge ich sie mir voneinander abhängig ein. Sobald sie durcheinander gewürfelt sind, fange ich an zu stolpern. Außerdem konnte ich mein Interesse für die Musik damit verbinden.
Und ich habe das überall gemacht. Wenn ich beispielsweise mit der Bahn von A nach B gefahren bin, hatte ich meinen Block und einen ausgedruckten Text dabei.

An diesem Punkt höre ich für heute auf, der Beitrag zu den Kanji kommt ein anderes Mal.

Bis denne ☆

 
[1]
Üblich ist für das Parikel は die Umschrift „wa“ anstatt „ha“, wie die Silbe eigentlich gelesen wird. Also stand in dem Songtext „wa“ und ich habe dementsprechend わ geschrieben, das eigentlich „wa“ romanisiert wird.
Dasselbe gilt für を, das meist mit „o“ dargestellt wird, obwohl die eigentliche Lesung „wo“ ist.
Ebenfalls für へ, welches oft mit „e“ romanisiert wird, obwohl es eigentlich ein „he“ ist.
Das hat meines Wissens etwas mit der Aussprache der drei Silben zu tun, ich mag diese Form der Umschrift dennoch nicht und verwende sie auch nicht. Texte, die ich in Buchstaben umschreibe, bekommen auch „ha“, „wo“ und „he“.

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