Ableistische/saneistische Sprache

Jede:r von uns kennt das vermutlich.
„Wo habe ich denn nur den blöden Schlüssel liegen lassen?“
„Bist du blind?“
„Das war wahnsinnig toll!“
Und jede Menge mehr solcher Äußerungen.

Was das Problem daran ist?
Sie sind ableistisch/saneistisch.

Für mich ist dieses Thema auch noch ein bisschen neu, sollte ich also etwas falsch formulieren, weist mich bitte darauf hin.

Soweit ich es verstanden habe, bezieht sich ableistisch auf die Verwendung von Begriffen, die sich eigentlich auf körperliche Erkrankungen beziehen (vom Englischen abled) und saneistisch auf mentale Erkrankungen (vom Englischen sane).
„Blind“ wäre in dem Fall körperlich. Menschen oder auch Gegenstände sowie Situationen usw. mit Begriffen, die Krankheiten bezeichnen, zu beschimpfen (und es ist selbst im Beispiel mit dem Schlüssel oben eine Beschimpfung) ist ableistisch. Und eben für betroffene Menschen möglicherweise verletzend (dass es welche unter ihnen gibt, denen das egal ist, negiert nicht die Verletzung derjenigen, die es als solche empfinden).
„Wahnsinnig“ ist ein Wort, über das sich bisweilen gestritten wird. Es habe sich so eingebürgert und gilt selbst nicht als Krankheit, aber Wahn tut es eben doch und mit all der negativen Konnotation ist dieses Wort als Verstärker nicht nötig (zumal es gerade dafür sehr viele Ausweichmöglichkeiten gibt: unfassbar, unglaublich, enorm, extrem usw.).

„Toll“ fällt übrigens auch darunter, das ist mir bis vor Kurzem auch durchgerutscht, obwohl es mir seitens der Tollkirsche oder der Tollwut durchaus auch in dem Zusammenhang ein Begriff ist.

Insgesamt begegnet mir ableistische/saneistische Sprache sehr viel. Im direkten Kontakt mit Menschen, wie aber auch online.
Seitdem mir bewusst geworden ist, wie problematisch sie ist, finde ich es wichtig, darauf zu achten. Und ich muss zugeben, dass es mir schwerfällt, nicht jedes Mal darauf hinzuweisen (ich bin sicher, so einige Menschen hätten sehr schnell keine Lust mehr, sich mit mir zu unterhalten, eben weil ableistische/saneistische Sprache in unserem Alltag so normal ist, wenn sie auch nicht normal sein sollte). Ich suche derzeit noch nach dem Umgang für mich, wann ich darauf hinweise und wann ich es unterlasse (es hilft niemandem, wenn andere Leute sich zurückziehen, anstatt zu reflektieren und zu verändern).

Auch ich nutze solche Begriffe noch, ich bin nicht fehlerfrei. Aber ich korrigiere mich, sobald es mir auffällt. Damit ich diese Wörter aus meinem Kopf bekomme, sie aus diesem Normal für mich herausfallen. Das ist nicht immer einfach, aber sehr wichtig, wie ich finde.

Wie ist das bei euch, achtet ihr selbst darauf?
Wie oft stolpert ihr?
Oder ist es euch egal?

Bis denne ☆

Awareness

Diese Woche war sehr emotional, sehr belastend und dadurch sehr anstrengend.

Und auch wenn ich heute gar nicht so sehr viel über das eine große Thema dieser Woche nachgedacht habe, fehlt mir doch der Fokus auf ein einziges anderes, dass ich daraus einen Blogbeitrag machen könnte.

Am Dienstag dachte ich noch, hach, du hast ja noch ein bisschen Zeit, fängst du nachher mal an.
Dann war der Dienstag vorbei.
Am Mittwoch war es ähnlich. Kurz vorm Schlafen dachte ich: Ach du je, jetzt bleibt ja nur noch morgen.

Und siehe da, jetzt ist es Donnerstag, 21:36 Uhr, und ich tippe endlich die ersten Wörter für den Beitrag, der morgen um 8:00 Uhr online geht (heißt, ich muss das vorm Schlafen schon hochstellen).

Als ich vorhin den nächsten Twitter-Thread durchgelesen habe, wusste ich, worüber ich schreiben werde.
Oder eigentlich gar nicht ich, sondern andere.

Ich habe in den vergangenen eineinhalb bis zwei Wochen so viele interessante Themen allein auf Twitter gesehen. Teils waren es Threads von Menschen, denen ich folge, teils hatten sie selbst etwas von anderen geteilt – Threads oder Blogbeiträge/Artikel. Themen, zu denen ich mich teils nicht fundiert äußern kann, weil ich selbst noch zu unsicher bin oder selbst nicht betroffen bin und eben den Betroffenen die Stimme lassen möchte.

Schaut bitte durch die Sachen, lest sie. Denkt darüber nach. Reflektiert euch und euer Verhalten, eure Denkweise. überlegt, was ihr ändert könnt bzw. solltet. Das ist natürlich keine Vorgabe von mir, ich werde mich hüten, jemandem vorzuschreiben, was sie:er zu tun hat. Aber ich bitte darum, mal in sich zu gehen. Was ihr daraus macht, ist selbstverständlich eure Sache. So wie es meine ist, wie ich mit den Dingen, die mich umgeben, umgehe.

Manchmal habe ich Retweets mit Zitat eingebaut, dann ist das, was unter dem ersten Text steht die Ausgangslage. Twitter ist da teilweise etwas verschachtelt, aber ich finde es übersichtlicher, sich dort durchzuklicken als alles nacheinander reinzusetzen, was dann schnell gedoppelt wirkt, so nach dem Motto: Habe ich schon gelesen, kann ich gleich zuklicken.
Unter den Tweets finden sich manchmal auch noch weitere Aussagen der Person, die gepostet hat, direkt auf den Tweet bezogen, sind diese eigentlich immer als erstes angeführt.

Queerness und die Politik/Gesetzeslage

Der Hinweis auf die „Vertiefung der Diskriminierung von Regenbogenfamilien“ durch die Bundesregierung durch die Textehexe.

Empörend ist die Bezeichnung „empfundene Intersexualität“ für nicht-binäre Personen, die Freddy mit Verlinkung über einen weiteren Tweet von Lucy Che zum entsprechenden Artikel gepostet hat. Das ist ein weiterer Rückschritt, statt der Weg nach vorn.
Freddy hat noch mehr dazu geschrieben, einmal hier und ebenfalls hier (die beiden bauen aufeinander auf, hier habe ich sie mal nacheinander gepostet, weil sie beide aus mehr als einem Tweet bestehen, also unbedingt auch den zweiten Link hiervon lesen).

Das Thema „Passing und soziale Geschlechtsdysphorie“ hat Maya in aufgegriffen und ihr Beitrag ist so gut. Ich habe mich bezüglich der sozialen Geschlechtsdysphorie darin gesehen, denn genau damit kämpfe ich auch. Noch nicht äußerlich und bislang auch sehr leise, denn es ist nicht einfach, dabei laut zu werden. Je mehr Menschen darauf achten und wieder andere Menschen darauf hinweisen, desto weniger schwer wird der Kampf für alle Betroffenen.

Nicht-Binarität, Sichtbarkeit und Neopronomen

Auch das passt zum Thema soziale Geschlechtsdysphorie und kommt mit weiteren Folgen für betroffene Personen daher. Gray führt sehr eindeutig an, wie schwer es sein kann, nicht dem idealisierten Bild einer nicht-binären Person zu entsprechen.

Für Unsichtbarkeit nicht-binären Menschen wird auch gern in der Buch-Bubble durch Verlage gesorgt. Ganz grob zum hiesigen Thema, das sich durch die folgenden Links zieht: In der deutschen Sprache fehlt es den Verlagen an EINEM Pronomen für die Betroffenen (das es nicht gibt, denn Nicht-Binarität ist vielfältig). Und deswegen ignorieren sie bei Übersetzungen aus anderen Sprachen dort verwendete Neopronomen und wandeln die betreffende Figur in eine binäre. Alex hat in diesem Zusammenhang einen offenen Brief an den Blanvalet Verlag gerichtet. karlabyrinth hat einen englischsprachigen kurzen Thread zum Thema geschrieben. Und Arduinna spricht das Thema eines einzigen Neopronomens an und verlinkt einen weiteren englischsprachigen Tweet.

Rassismus

Rassismus ist nicht neu, umgibt uns alle und wird von jedem von uns reproduziert. Wir sind es, die dies erkennen müssen, um damit aufzuhören. Wir sind alle damit aufgewachsen und davon geprägt und müssen uns davon lösen, um Betroffene nicht ständig zu verletzen, zu diskriminieren. Mit Corona ist vor allem der Rassismus gegen asiatisch aussehende Menschen verstärkt aufgeflammt. Dieser Tweet von KateBoss5000 führt verschiedene Twitter-Accounts an und verlinkt einen Artikel, in dem unterschiedliche Projekte zum Thema vorgetellt werden.

ray zeigt in diesem Thread sehr eindeutig auf, wie Schwarze unterschiedlich eingestuft werden und was das für Betroffene bedeutet.

Zum Thema „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ hat Victoria Linnea einen Thread geteilt, der aufzeigt, wie schädlich so ein Label sein kann.

Rape Culture

Wie leicht es ist, sich selbst aus dem Thema herauszunehmen, weil Übergriffigkeit eben oft als „es muss erst etwas Großes passiert sein, damit es als solche gilt“ eingestuft wird. Dass dem nicht so ist, zeigt The Rural Juror in ihrem Thread.

Verantwortung als Autor:in

Justine Pust spricht in ihrem Thread an, wie viel Verantwortung Autor:innen mit ihren Geschichten tragen und wie wichtig diese ist.

Gendergerechte Sprache, Rassismus, Sexismus

Arduinna und Christian Vogt haben einen Talk zum Thema „gendergerechte Sprache, Rassismus und Sexismus“ aufgenommen. In Kurzform ist der Inhalt in diesem Thread dargestellt, es lohnt sich aber, das Video zu schauen.

Das war es erstmal. Ich plane nicht regelmäßig, solche Link-Sammlungen zu posten, aber ich schließe auch nicht aus, dass ich irgendwann mal wieder eine für euch habe.

Bis denne ☆

Deadname und neue Pronomen

Vor gut einem Jahr ist mir bewusst geworden, dass ich nicht-binär bin. Ungefähr ein halbes Jahr später habe ich euch von meinem seit langem gewählten Namen und dem daraus resultierten Pronomen erzählt.

Heute sieht die Welt für mich ein bisschen anders aus.

Der Name hat sich nicht geändert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das je eintreten wird.
Was sich für mich anders anfühlt, ist meine Beziehung zu meinem bürgerlichen Namen.

Den Vornamen mochte ich nie wirklich. An meine Kindheit kann ich mich diesbezüglich nicht erinnern, weder positiv noch negativ. Es gab eine Phase, in der er sich gut abändern ließ, wo er mir durchaus willkommen war, aber kaum, dass diese endete, hatte ich viele Jahre zu tun, von dieser Abänderung – diesem Spitznamen – loszukommen. Und sehr ähnlich fühlt sich das jetzt auch an. Nicht so sehr, ihn loszuwerden, zumindest nicht im Internet, weil die Menschen, die mich umgeben, überwiegend respektvoll genug sind, darauf zu achten. Darüber hinaus habe ich das Thema noch nirgends angesprochen. Abgesehen von den Leuten, die mich ohnehin schon lange unter diesem selbstgewählten Namen kennen und ihn daher intuitiver verwenden als meinen bürgerlichen Vornamen.

Der Nachname war für mich den Großteil meines Lebens der erträglichere (mal davon abgesehen, dass ich viereinhalb Jahre lang noch einen anderen hatte, da ich ein uneheliches Kind war und die Hochzeit erst später kam). Allerdings gab es Menschen, die mich mit Spitznamen des Nachnamens aufzuziehen versucht haben. Sie sind gescheitert.
Wie dem auch sei, der Name stellt trotz allem Verbindungen dar, mit denen ich nicht ständig konfrontiert werden möchte. Da ist die Familienproblematik, wobei ich diese nicht vordergründig sehe. Aber der Name – eigentlich mein voller bürgerlicher Name – steht eben für die Person, die noch immer in meinem Ausweis steht, die in einem weiblichen Körper auf die Welt gekommen ist und weiblich gelesen wird.

Letztes Jahr war das okay, es war okay, wenn ich mit dem Namen angesprochen wurde, wobei ich Kuro eindeutig bevorzuge und es hat mich auch nicht gestört, hier oder da über diesen Namen zu stolpern.
Mittlerweile stört es mich jedes Mal. Ich will ihn nicht lesen, will ihn nicht hören, nichts.

Ihn im Ausweis einfach mal ändern zu lassen, geht nicht, soweit ich weiß.
Das akzeptiere ich für den Augenblick.
Aber online geht es eben durchaus anders.

Als Resultat habe ich mittlerweile alle Beiträge von meinem alten Blog gelöscht, der im nächsten Jahr ohnehin gelöscht wird. Ausschließlich die Ankündigung zu diesem Blog hier habe ich stehen lassen.
Ebenso habe ich alle alten Bilder, die bereits dort gepostet waren, mit Kuro versehen, alle Beiträge, in denen der Name erwähnt war, umgeschrieben, alle Verlinkungen zum alten Blog durch welche auf diesem hier ersetzt (letzteres war ohnehin sinnvoll).
Je weniger mein bürgerlicher Name – für mich fühlt er sich wie ein Deadname an – zu sehen ist, desto weniger kann er verwendet werden. Desto weniger muss ich ihn sehen.

Dies ist der eine Teil.

Der andere ist das Pronomen.

Wenn mir eines aufgefallen ist, dann, dass sich viele damit schwertun.
Es gibt ein paar Pronomen, die gängiger sind, darunter fiel meines aber nicht. Ich habe es ganz genau ein Mal in Verwendung gesehen.
Die Entscheidung K zu verwenden, hing damals ja damit zusammen, dass ich mich mit den mir bekannten Varianten hier nicht anfreunden konnte, weder den deutschsprachigen wie sier oder xier (kann ich bis heute nicht, sie sind mir weiterhin zu nahe am binären sie und er), noch mit anderen, die ich gefunden habe und ebenfalls nicht mit dem englischsprachigen they/them.

Vor wenigen Wochen (oder nur Tagen? mein Zeitgefühl ist im Eimer) kam mir der Gedanke an die Anlehnung an die englischsprachigen, aber in eher deutschsprachiger Schreibweise (so man das so nennen kann).
Sey/sem.
Weich gesprochenes S, wie im Deutschen üblich.
Doch zugleich hatte ich Zweifel, ob das geht. Spricht da vielleicht etwas völlig dagegen? Ich habe keinerlei sprachwissenschaftlichen Hintergrund, ich habe das nicht auf einer Liste gesehen und war daher unsicher. Aber sie gefielen mir. They/them sind sehr bekannt, der Umgang damit für viele – zumindest aus der Bubble – bereits vertraut.
Ich habe eine Weile mit mir gerungen, mich jetzt aber dafür entschieden.

Die Nutzung ist recht simpel, ähnlich wie in englischsprachigen Sätzen, zusätzlich kann auch seir bzw. seirs zum Einsatz kommen.

Ash formuliert es wie folgt für they/them:

Also: „They mag Katzen.“, „Katzen mögen them,“ „Die Katze hat their Hemd kaputt gemacht“, „Der Teller ist theirs.“ und so weiter.

(schaut mal in dem Beitrag vorbei, der ist allgemein interessant und zählte letztes Jahr schon zu den Seiten, die ich verschlungen habe)

Übertragen auf sey/sem sähe das dann so aus:
Sey mag Katzen.
Katzen mögen sem.
Die Katze hat seir Hemd kaputt gemacht.
Der Teller ist seirs.

Die Aussprache ist wie bei den englischsprachigen Wörtern, nur ohne „th“, sondern weichem „s“.

Auch hier habe ich mittlerweile alles geändert (so ich nichts übersehen habe). Soziale Medienplattformen wie Twitter und Instagram, aber auch Foren, wo ich das im Profil eingetragen habe.
Ebenfalls habe ich mich dafür entschieden in Gesprächen auf Englisch zum recht gängigen they/them überzugehen. Dort hat es mich auch nie gestört, weil das ja ohnehin Wörter dieser Sprache sind, nur im Deutschen konnte ich mich für mich nicht damit anfreunden. Jetzt ist es halt ähnlich, wenn auch nicht exakt dasselbe.

Benutzt ihr für euch Neopronomen?
Habt ihr es auch schon mal gewechselt?
Kommt ihr gut damit zurecht, für andere Menschen Neopronomen zu verwenden anstelle binärer Pronomen?

Bis denne ☆

Depression, OCD, Anxiety und Corona

Ich hatte eigentlich nie vor, wirklich über Corona zu schreiben. Doch da mir das Thema viel im Kopf umhergeht, tue ich es jetzt doch.

Für mich ist es heute Tag 50, seit ich mit StayHome begonnen habe. Und auch die Kontaktbeschränkungen laufen mittlerweile seit sechseinhalb Wochen, wenn ich mich nicht täusche (mein Zeitgefühl ist bereits völlig im Eimer). „Seit ich mit StayHome begonnen habe“ bedeutet in dem Fall nur, dass ich ab da aus meinem üblichen Rhythmus ausgebrochen bin. Was die erste auffällige Veränderung für mich hinsichtlich meiner Zwänge darstellt.
Und an diesem Punkt kommt für mich auch bereits die erste kleine Auswirkung zum Tragen.

Zwänge zu ändern, ist unglaublich schwierig. Und mein Alltag besteht zum großen Teil aus Zwängen. Aus zwangsartigen Routinen. Eine davon war, an vier festen Tagen in der Woche rauszugehen, meist einen kleinen Einkauf zu machen und an den anderen Tagen zu Haus zu bleiben. Nun gehe ich durchschnittlich höchstens einmal die Woche raus.
Diese Veränderung durchzuführen, war sogar relativ leicht. Was mich nicht gewundert hat. Veränderungen, die von außen herbeigeführt werden, fallen zumindest mir einfacher (ich kann nicht für andere Menschen mit Zwängen sprechen, das gilt für alles, was ich in diesem Beitrag schreibe). Gerade wenn es sich um eine Situation wie die derzeitige handelt.

Allerdings spüre ich bereits jetzt – wo wir noch am Anfang der Pandemie stehen -, dass sich die Auswirkungen für mich später negativ zeigen werden. Ich erlebe das im Grunde bereits jetzt. Und da meine Zwänge eben oft Routinen sind, zu einer Normalität werden, ist es hinterher auch nicht so, dass ich einfach wieder auf das Davor zurückgehen kann. Das heißt in dem Fall, dass ich auch hinterher so selten rausgehen werde. Alles andere wird extrem harte Arbeit werden. So wie jedes Aufbrechen von Zwängen, ohne äußere Notwendigkeit.
Während ich schon Stimmen gelesen habe, was andere tun werden, wenn wir uns wieder sorgenfrei draußen bewegen können, weiß ich jetzt schon, dass bei mir alles schlimmer als vorher sein wird. Ich werde nicht ausgiebig shoppen gehen, mich nicht mit Freunden treffen und sie endlich wieder umarmen. Ich werde weiter so zurückgezogen leben wie jetzt. Und es hat nichts damit zu tun, dass ich „den Teufel an die Wand male“ oder mir das jetzt schon einrede und dann natürlich so ende. Es ist ein Erfahrungswert. Eine Beobachtung aus den vielen Jahren mit Zwängen.

Es fällt mir jetzt schon schwer, rauszugehen. Ich schiebe die Male, an denen ich einkaufen muss, meist so weit ich kann nach hinten. Ich koordiniere sie teils in Hinblick auf andere Termine, die bei mir glücklicherweise derzeit selten sind. Aber wenn ich zu einem muss, dann kombiniere ich ihn mit einem Einkauf, um so selten wie möglich rauszugehen. Einerseits eben, weil ich es in der momentanen Pandemie-Situation für sinnvoll halte (was auch an meinem Wohnumfeld liegt, darauf komme ich gleich noch mal zurück). Andererseits aber auch, weil ich mich hier sicherer fühle. Nicht nur sicher vor Ansteckung, die sehe ich für mich nicht so unglaublich groß, weil ich zumindest von meiner Seite aus die Maßnahmen einhalte, nur mit Maske rausgehe, immer Abstand suche (das habe ich aber schon vorher getan). Es hängt auch damit zusammen, dass ich mich vorher schon zu Haus am sichersten gefühlt habe und die derzeitige Situation verstärkt das nunmal.

Ich wohne in einem sehr großen Haus. Es gibt hier ungefähr 150 Wohnungen. Zwei Aufzüge, ein Treppenhaus, das aber von den Etagen abgegrenzt ist, weswegen ich es nicht gern betrete.
Dieses Haus zu verlassen oder zu betreten, birgt ein größeres Kontaktrisiko als ein Spaziergang.
Im Schaukasten und neben den Bedienelementen der Aufzüge unten hängen Zettel, dass wir Mieter:innen auf den Abstand achten sollen. Der eine Aufzug ist für 13 Personen/1.000 kg zugelassen, der andere für 6 Personen/500 kg. Letzterer ist so der Standard, den ich aus Plattenbauten kenne. Darin können sich derzeit nur Personen aus einem Haushalt aufhalten, denn ein Abstand von 1,5 m ist nicht möglich. Der andere dürfte das zulassen, wenn eine Person bis ganz hinten durchtritt, die andere direkt hinter der Tür stehen bleibt. Das macht es dort also bis zu maximal vier Personen aus zwei Haushalten möglich, wenn diese jeweils vorn und hinten direkt nebeneinander stehen. Dementsprechend schnell kann es zu größeren Wartezeiten kommen (ich hoffe jedes Mal, dass der Aufzug leer ist, wenn er ankommt). Allerdings hält sich nicht jede:r daran.
Ich hatte es gerade bei meinem letzten Einkauf, dass ich bereits in dem kleinen Aufzug stand. Er hielt, davor eine Person. Es gab keine Maske und die Person wollte einsteigen. In mir wallte ganz kurz Panik auf (es fällt mir schwer, Menschen anzusprechen und ihnen dann auch noch eine Abfuhr zu erteilen, umso mehr), doch dann sagte ich nur sehr direkt: „Sie können hier nicht rein.“ Die Person trat zurück, hatte aber eindeutig Verärgerung im Gesicht stehen. Dieses Beispiel zeigt mir, dass es vielen Menschen egal ist. Und solche Konfrontationen sind nicht nur etwas, das derzeit eben gehäuft auftreten kann, vor allem, je öfter ich rausgehe, sondern für mich auch Stress. Es ist mir bislang nur einmal passiert (ich war in der ganzen Zeit acht Mal draußen[1], einmal davon kurz nacheinander, weil ein Teil meines Einkaufs verdorben war und ich den nicht einfach ersetzen konnte), aber ich denke eben auch, dass es daran liegt, dass ich überwiegend hier bin.

Das ist die eine Auswirkung.
Eine weitere wird sein, dass die derzeitigen Abstände verschwinden werden. Sie lassen ja jetzt bereits nach, seit die Maskenpflicht eingeführt worden ist (die meiner Ansicht nach sehr locker von vielen angewendet wird). Aber zumindest an Kassen habe ich bislang positive Erfahrungen beim Einhalten der Markierungen gemacht. Und dies ist ein Punkt, den ich derzeit genieße.
Wenn da keine Streifen mehr auf dem Boden kleben, werden die Menschen wieder an mir kleben. Das hat mich zuvor schon gestört. Das hat mich zuvor gelegentlich nahe einer Panik gebracht. Und nach all dem Abstand jetzt, der eine wundervolle Ruhepause auf dieser Ebene für mich ist, wird das umso schlimmer sein. Und auch das lässt mich wiederum bevorzugt hier bleiben.

Ansonsten erledige ich alle Wege zu Fuß.
Wenn ich nicht weiter von meiner Wohnung weg muss (ich hatte vor einiger Zeit einen Termin, zu dem ich eine Stunde pro Richtung mit den Öffentlichen unterwegs war), laufe ich alle Strecken. Ich kaufe deswegen nicht nur in der direkten Umgebung ein, ich laufe auch 3 – 4 km zum Supermarkt und anschließend mit dem Einkauf zurück. Das ist anstrengend, allein, weil meine Einkäufe jetzt größer sind, wo ich nur noch einmal pro Woche einkaufe, aber es erspart mir die Nutzung der Öffentlichen Verkehrsmittel.

Und dann sind da die Sozialen Medien.
Im Grunde bin ich in meiner Blase recht gut geschützt. Ich umgebe mich mit Menschen, die die Situation mit Sinn und Verstand behandeln.
Aber natürlich bekomme ich auch anderes mit. Teils auch bewusst, indem ich durch Twitter-Trends etc. schaue. Ich glaube nicht, dass mir das schadet, weil ich mich durchaus auch abgrenze. Aber mir das anzuschauen, zeigt mir eben auch ein Stück mehr, was außerhalb meiner Blase so geschieht. Wie Menschen die gefassten Beschlüsse zu Lockerungen erleben (Stichwort: Schulöffnungen).

Es macht mir Sorge zu sehen, wie sich das derzeit alles entwickelt. Das ändert selbstverständlich nichts daran, wie andere Menschen damit umgehen. Ob sie die Maßnahmen für überzogen, für zu gering oder für passend halten. Ob sie sich daran halten oder nicht.
Dennoch sind da eben viele sorgenvolle Gedanken.

Die der Depression, die seit mittlerweile zwei Monaten durchgängig da ist, eben auch immer neues Futter geben. Und da ist eben nichts mit „einfach mal die Gedanken abstellen“. Das ist ohnehin ein so lapidar dahingeworfener Satz, der jeglicher Realität widerspricht. Doch unabhängig davon hilft es mir ja auch nichts, mich komplett vom Geschehen um mich herum abzugrenzen.
Selbstverständlich beobachte ich es, denn diese Änderungen gehen uns alle an. Wenn sie schiefgehen, werden sie sich negativ auf uns auswirken. Tritt das nicht ein … okay, das wäre wünschenswert.

„Geh doch mal mehr raus“ heißt es dann immer, gerade bei Depression.
Nein, das ist nichts, was mir derzeit helfen würde. Im Augenblick würde das alles nur verstärken, weil es eben mit zusätzlichem Stress für mich verbunden wäre.
Deswegen bleibt mir derzeit nichts anderes übrig, als auszuharren und abzuwarten. Genau etwas, das mit der Angststörung erneut schwierig ist. Angststörung – Ängste allgemein – gehen immer mit dem Bedürfnis nach Kontrolle einher. Aber derzeit ist so absolut nichts kontrollierbar. Nichts lässt sich absehen, es kann sich jederzeit alles ändern. Und das erhöht den Stress erneut.
Auch hier gilt für mich, ich versuche nicht allzu sehr darüber nachzudenken, was denn nicht alles kommen könnte, sofern ich es nicht muss. Ich denke nicht darüber nach, ob im Sommer nicht dies oder das oder jenes möglich sein wird, weil nichts planbar ist. Dennoch ist eben das Wissen über die absolute Ungewissheit da und das allein ist ausreichend, um weitere Unsicherheit zu schüren.

Wie geht ihr damit um?
Haben sich Erkrankungen bei euch durch die Situation verstärkt?
Oder ist euch das alles völlig egal?

Bis denne ☆

[1]
Als kleiner Vergleich, nach meinem üblichen Schema wären das inklusive heute (Donnerstag) achtundzwanzig Mal gewesen, Ostern ist mit berücksichtigt.

Die Unzumutbarkeit von Schulöffnungen für Kinder

Ich weiß, nicht jeder wird meine Meinung teilen. Und zumindest ein Teil derjenigen mit anderer Meinung hat auch gute und berechtigte Gründe dafür (wenn nicht sogar alle).

Dennoch verstehe ich nicht, wieso hier in Deutschland bereits so viel die Lockerung der Maßnahmen verlangt wird und mir graut ganz ehrlich davor, dass es geschieht.
Eigentlich hat es ja schon begonnen. Testphase.

Wenn ich mich draußen umschaue, dann sehe ich teils kaum Menschen, die eine Maske tragen (ich verwende diesen Begriff, weil es ja um Mundschutz bereits diverse Diskussionen gab, ob der Begriff gerechtfertigt ist, wenn es sich nur um OP-Masken, selbstgenähte aus Stoff etc. geht, außerdem ist das Wort kürzer). Das schwankt, aber es sind eindeutig zu wenige. Und ebenso gibt es immer noch viel zu viele Menschen, die viel zu wenig auf ausreichend Abstand achten. Sei es im Supermarkt oder in Bahnhöfen – wo es aber auch nicht immer möglich ist – oder sei es aber auch draußen auf den Wegen. Da laufe ich, gehe an den Rand, aber die mir entgegenkommende Person bewegt sich nicht an den Rand auf der anderen Seite, sondern bleibt mitten auf dem Weg. Wenigstens 1,5 m Abstand? Fehlanzeige. Maske? Fehlanzeige.

Ebenso ist mir durch die derzeitige Situation auch bewusst geworden, wie viele Baustellen es gibt. Nicht die großen, sondern gern kleine, gern welche, die nur ein paar Stunden am Tag existieren bzw. immer wieder versetzt werden (ich konnte die letzten zwei Tage vom Fenster aus Bauarbeiten beobachten, bei denen der Fußweg zeitweise ganz oder teils gesperrt war). Diese kann man allein für einen Spaziergang gar nicht planen. „Ich gehe ja nur spazieren und weiche aus.“ Wenn aber genau der Weg zum Park, wo es genügend Abstand gibt, davon betroffen ist, kann man nicht ausweichen. Das ist mein Grund für eine generelle Maskenpflicht zu sein, auch wenn mir bewusst ist, dass es dementsprechend auch ausreichend Masken geben müsste. Allerdings ist die Produktion diesbezüglich am fortschreiten, soweit ich das beobachten kann. Und ich habe bereits zu viele Aussagen gehört, dass Menschen erst dazu greifen, wenn es tatsächlich verpflichtend ist. Die Pflicht ist also anscheinend unumgänglich, denn der gesunde Menschenverstand fehlt mir bei einigen an dem Punkt.

Das als eine Art Einleitung, denn im Endeffekt dürften die meisten, die das hier lesen erwachsen sein und solange es an einer Verpflichtung fehlt, müssen sie die Entscheidung selbst treffen und meine Worte werden dabei vermutlich kein großes Gewicht haben.

Der Punkt, auf den ich eigentlich hinaus will, ist ein ganz anderer.

Aus all den bereits angesprochen und diskutierten Lockerungsmaßnahmen möchte ich mir einen herausgreifen: Die Öffnung der Schulen (und da es ab 30.04. in Berlin auch die Spielplätze betreffen soll, kann ich diese eigentlich auch mit einschließen).

Diese Öffnung soll stufenweise stattfinden, dennoch ist immer wieder die Rede von Einhaltung der Maßnahmen. Dazu zählt der Mindestabstand, dazu zählen die Masken und der korrekte Umgang mit diesen. Und allein da frage ich mich, ob denjenigen, die die Öffnung verlangen, bewusst ist, was sie damit von den Kindern erwarten.

Wer von euch achtet darauf, wie oft si_er sich ins Gesicht fasst? Was si_er vorher berührt hat? Mit der ganzen Hand? Mit nur einem Finger? Wie oft fasst ihr euch unbewusst ins Gesicht?
Ja, unbewusst. Denn das passiert eben sehr viel häufiger als es uns bewusst ist.

Warum ich das anspreche? Weil mein Bewusstsein diesbezüglich verändert ist.
Ich habe im letzten Jahr über meine Ängste geschrieben, die sich um Ansteckung drehen. Vorwiegend um Ansteckung mit Krankheiten, die per Berührung übertragen werden. Und genau deswegen achte ich – sobald ich die Sicherheit meiner Wohnung verlasse – sehr genau darauf, was ich wie berühre, inwiefern ich mir ins Gesicht fasse usw. Und ich weiß daher ebenfalls, wie viel Konzentration und Energie es braucht, genau dies zu tun.

Wie lange könnt ihr euch darauf konzentrieren, das lückenlos nachzuverfolgen? Bei Berührung entsprechend die Hände zu waschen?
Da krabbelt es an der Wange und die Hand geht automatisch ins Gesicht. Derzeit sollte – eben bei Öffnung der Schulen – die Maske sitzen, die man nicht berühren soll, was eben das korrekte sorgfältige Händewaschen nach sich ziehen muss.
Wie lange könnt ihr euch darauf konzentrieren? Und nebenbei noch etwas anderes tun? Denn dafür sitzen die Kinder und Teenager in den Schulen. Sie müssen eigentlich die Konzentration für das Unterrichtsgeschehen aufbringen. Und sollen parallel dazu aber darauf achten, nicht unbewusst etwas anzufassen, sich ins Gesicht bzw. gegen die Maske zu fassen.
Mal wirklich, wie lange schafft ihr das? Lückenlos!

Ich hatte den Vorteil, in das hineinzuwachen. Denn meine Ängste sind gewachsen und damit bin ich stufenweise in diese Aufmerksamkeit gerutscht.
Das ist derzeit nicht möglich. Wenn die Schulen geöffnet werden, müssen die Schüler_innen es sofort beherrschen. Jeglichen Abstand korrekt einzuhalten, die Masken korrekt anzuwenden, dem Unterrichtsgeschehen zu folgen.
Davon, dass es Schulen gibt, die nicht einmal das gründliche Händewaschen ermöglichen, spreche ich dabei noch gar nicht (selbst das Kolleg, in dem ich meinen Volkshochschulkurs besuche (derzeit natürlich nicht) – eine Schule für Erwachsene – hat zumindest im Nebengebäude nur Kaltwasser, aber immerhin Seife).

Warum ich das hier gerade alles schreibe?
Weil ich eben weiß – aus ganz persönlicher Erfahrung heraus -, wie anstrengend es ist, darauf zu achten.
Und ich eben kein Kind bin.
Seit wann können Kinder das leisten, was vielleicht Erwachsene umgesetzt bekommen. Und ja, ich betone dieses eine Wort ganz bewusst, denn auch für Erwachsene braucht das bereits viel Anstrengung. Für Kinder ist so etwas aus meiner Sicht absolut unzumutbar.

(Die erwähnten Spielplatzöffnungen laufen auf dasselbe Prinzip hinaus. Kinder vergessen beim Spielen und das sollen sie auch. Nun sollen sie sich permanent an die Abstandsregeln erinnern, sich nicht ins Gesicht fassen, sich nicht die Strähne aus dem Gesicht streichen, die vom Wind dorthin geweht worden ist, nachdem sie sich am Klettergerüst, an der Schaukel oder woran auch immer festgehalten haben, die vorher von anderen Kindern berührt worden sind. Denn genau das ist es, was der verantwortungsvolle Umgang mit sich bringt.)

Hat jemand von euch ebenfalls Erfahrungen damit?
Traut ihr euch selbst das zu?
Wollt ihr das Kindern zumuten?

Bis denne ☆

Alltag: Depression

TW: Depression

Erinnert ihr euch an das Nichts aus „Die unendliche Geschichte“? Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nur den Film als Kind mehrere Male gesehen habe, aber das alles verschlingende Nichts ist dennoch hängen geblieben.

Und in so etwas fühle ich mich derzeit gefangen.
Irgendwie mal wieder.
Und irgendwie zum ersten Mal.

Denn ich fühle mich gleichzeitig völlig rastlos.
Das ist für mich auch nichts neues, das war zumindest die letzten fünfzehn Jahre so, nur lange Zeit war ich auch in der Lage, immer was zu tun. Ich war ununterbrochen beschäftigt, was vor allem für meinen Kopf gilt. Körperlich aktiv sein, war nie meins, aber geistige Auslastung war für mich immer wichtig (ich vermute, dass ich deswegen auch nicht gern Filme oder Serien sehe, weil ich dabei zu sehr wegdriften kann und nicht ausreichend Fokus brauche, den mein Kopf benötigt, um ausgelastet zu sein).
Mittlerweile fehlt mir schon seit langem die Kraft, mich auch tatsächlich so zu beschäftigen wie damals.

In manchen Zeiten, in denen ich eher dysthym als tatsächlich depressiv bin, geht es. Da schaffe ich ein bisschen was und komme ganz gut zurecht. Es fällt mir zwar auch dann schwer, mich zu den Dingen aufzuraffen, die mir keinen Spaß machen, aber es geht.
Wenn ich richtig in der Depression hänge – und im Grunde tue ich das seit Mitte November, da gab es die erste schwere Phase, seit einer Woche stecke ich in der nächsten, die noch intensiver ist -, dann lässt auch das fast vollständig nach.
Ich zwinge mich zu manchen Dingen. Ich habe die Verantwortung für meine Katze, ich muss also irgendwie die für sie nötigen Dinge machen. Genauso wie ein paar für mich. Essen ist tatsächlich etwas, das bei mir nicht ausfällt, wie ich das oft von anderen höre. Ich weiß nicht sicher, woran es liegt, vielleicht daran, dass ich sehr regelmäßig essen muss und das seit mittlerweile über fünfzehn Jahren. Aber zu essen bedeutet auch, einkaufen zu müssen. Dazu muss ich mich irgendwie auch zwingen, gleichzeitig schaffe ich das meist als hätte ich auf Autopilot umgeschaltet.

Zurückgezogenheit kennen vermutlich auch die meisten.
Ich bin eigentlich ein kommunikativer Mensch, sobald ich aufgetaut bin oder das Gefühl habe, etwas sagen zu können (ich bin da sehr schnell zu verunsichern). Ich brauche das eigentlich sogar recht viel, eben auch, um meinen Kopf beschäftigt zu halten und nicht über all das Chaos nachzudenken, das darin munter Samba tanzt. Aber unter Depression bin ich nicht in der Lage, Menschen zu kontaktieren. Ich schaffe meist nicht mal, Likes zu verteilen oder Kommentare zu schreiben. Selbst wenn ich Posts lese.

So sumpfe ich also den Großteil des Tages vor mich hin.
Meine Spaßprojekte sind weiter im Rennen, aber momentan auch weniger. Ganz ohne geht für mich nicht, das ist immerhin etwas Gutes, aber längst nicht ausreichend. Zumal ich durch die Müdigkeit, die mit Schlafmangel, Einschlafproblemen, Durchschlafstörungen etc. einhergeht, eben auch gar nicht die Kreativität habe, die ich teils bräuchte.
Womit auch das Thema Schlaf aufkommt, das für mich ein weiteres Problem ist. Seit ein paar Jahren geht es, aber lange Zeit hat sich Schlaf für mich wie Zeitverschwendung angefühlt. Wie viel schöner wäre es, in der Zeit, in der ich im Bett liege, produktiv zu sein? Diese Gedanken hatte ich die letzten Jahre im Griff. Seit ich mich aber auch mit Schlaf überhaupt nicht mehr ausgeruht fühle, kehrt das Gefühl zurück. Wozu die Zeit im Bett verschwenden, wenn ich mich hinterher genauso erschlagen fühle?
Im letzten Jahr habe ich nach vielen Jahren das erste Mal überhaupt wieder ein paar Nächte nicht geschlafen. Wenn ich mich nicht täusche, waren es acht. Auf dieselbe Anzahl komme ich in diesem Jahr allein in den ersten beiden Monaten. Das ist nicht unbedingt geplant gewesen, sondern da hat meine Zwangsstörung mit reingespielt, aber ich bin mir manchmal nicht sicher, ob wiederum unterbewusst nicht doch auch eine Steuerung durch mich läuft (mehr zu meiner Zwangsstörung und nicht zu schlafen findet ihr hier), weil Schlaf eben so sinnlos erscheint.
Stattdessen spiele ich den halben Tag irgendwelche Spiele (vornehmlich Merge Dragons und Sudoku). Nichts Aufregendes, ich habe schon genug Stresshormone in mir, aber immerhin beschäftigt es. Es ist nur überhaupt nicht produktiv und kollidiert dann wieder mit dem Drang, genau dies zu sein. Was noch mehr Unzufriedenheit auslöst. Auch wenn niemand Forderungen an mich stellt (abgesehen von blöden bürokratischen Erledigungen, die die letzten Wochen auch nicht gerade positiv gestaltet haben, aber ich meine eher hinsichtlich dieses Drangs nach Produktivität).

Wenn ich also still bin, dann nicht, weil ihr mir egal seid.
Sondern einfach weil mir die Kraft fehlt.
Und der Antrieb.
Und …

Bis denne ☆

Ich habe keine Lust mehr!

Ich habe keine Lust mehr, mit -Isten zu diskutieren, mich zu rechtfertigen, mich zu erklären, mich zu … egal was.

Ich habe keine Lust mehr, über Alltagsrassismus zu diskutieren, den Menschen nicht erkennen wollen. Es war schon immer so? Witze hat es schon immer gegeben? Dementsprechend müssen Betroffene sie ertragen, wenn sie nicht mit Scheuklappen und Gehörschutz draußen rumlaufen wollen? Falsch! Nicht die Betroffenen müssen etwas an sich ändern, sondern die Rassisten. Und sie können noch so gegen rechts sein. Solange sie rassistische Äußerungen machen, sind sie Rassisten. Ob sie das hören wollen oder nicht. Solange sie mit „stimmt, aber …“ antworten, haben sie nichts verstanden. Und zeigen auch keinerlei Bereitwilligkeit, ihre Äußerungen und Einstellungen auch nur zu überdenken. Das Aber negiert das Stimmt völlig. Da könnt ihr das Stimmt auch gleich weglassen. Wenn etwas nur stimmt, wenn es in eure Denkprozesse, die ihr nicht hinterfragen wollt, passt, dann will ich nicht mit euch diskutieren.

Ich habe keine Lust mehr, meinen Namen zu erklären, ihn zu rechtfertigen, ihn zu verteigen. Es ist mein Name. Er ist kein Gegenstand. Und es interessiert niemandem, wem außer mir er gefällt. Oder ob ein anderer besser gefällt. Den Namen hinterfragt man schon nicht, wenn es sich um den handelt, den jemand von seinen Eltern bekommen hat. Aber den, den sich eine Person selbst ausgesucht hat, respektiert man einfach und fertig. Unabhängig davon, ob man die Hintergründe kennt. Die Hintergründe für die Wahl dieses speziellen Namens oder die Hintergründe, warum diese Wahl für die Person überhaupt wichtig ist.

Ich habe keine Lust mehr, mich ständig erneut zu erklären. Zu hören „ich weiß ja auch nicht, wieso …“, obwohl ich die Gründe bereits mehrfach erläutert habe. Ich bin es leid, das Gefühl zu haben, ich hätte mich auch mit der Wand vor mir unterhalten können. Ich bin es leid, auf diese Weise vermittelt zu bekommen, dass meine Entscheidungen, meine Bedürfnisse …, dass ich nicht akzeptiert werde. Ob das nun Absicht ist oder nicht, ist mir dabei herzlich egal.

Ich habe keine Lust mehr, zu sehen, wie Fans die Entscheidung einer Band infrage stellen und sich darüber beschweren, während die Band sie zum Schutz der Fans getroffen hat. Eine Entscheidung, die monatelange Arbeit und Vorfreude über den Haufen wirft. Die das verschobene Live vielleicht nachholen lässt, aber das Konzept dabei dennoch nicht mehr funktioniert, weil dies nur an diesem einen Tag der Fall gewesen wäre. Wie können diese Menschen sich als Fan bezeichnen, wenn sie hinterher die Band angehen. Ich verstehe Frustration auf die Situation. Aber nicht, diese Frustration an der Band auszulassen, die immerhin selbst davon betroffen ist.

Ich habe keine Lust mehr, dass mein Geschlecht übergangen wird. Ich bin keine Frau. Ich habe es schon einmal gesagt, ich möchte nicht weiblich angesprochen werden (womit ich nicht kritisiere, wenn Fehler unterlaufen, es gibt Menschen, die sich umgehend dafür entschuligen und das ist völlig in Ordnung für mich). Mich interessiert nicht, ob Menschen Gewohnheitstiere sind oder nicht. Ich bin auch eines. Aber es hat etwas mit Respekt zu tun, diese Gewohnheiten nur bei den eigenen Belangen auszuleben, aber nicht bei denen anderer Menschen.

Bis denne ☆

Litcamp Berlin 2019

 
Auch wenn das Litcamp bereits fast fünf Wochen zurückliegt (es hat am 09. und 10.11. stattgefunden), möchte ich meine Eindrücke mit euch teilen.

 
Ich kenne Litcamps namentlich seit ungefähr zwei Jahren. Aber mir fehlte bislang die Möglichkeit an einem teilzunehmen, weil die Fahrten zu den anderen nie drin waren.
Als es dann hieß, dass eines für Berlin organisiert werden soll, war ich froh darüber.

 
Ich hatte nicht viel Ahnung davon, wie das funktioniert, obwohl ich vor allem das Prinzip der Teilgebenden, wie es in Berlin bezeichnet wurde, aus den anderen bereits erkannt hatte (ich war auch sonst nie bei einem Barcamp dabei gewesen).

 
Einige Zeit vor Stattfinden des Litcamps hatte ich den Plan gesehen. Samstag 9:00 Uhr Frühstück zum Kennenlernen. Oje, Socializing auf nüchternen Magen. Das war so ziemlich mein erster Gedanke gewesen. Mir liegt es überhaupt nicht auf andere Menschen zuzugehen. Aber ich wollte dennoch dabei sein. Ich bin für meine Verhältnisse super früh gestartet, habe mich durch das Labyrinth der „Schule für Erwachsene“ begeben (nein, es war sehr gut von den Organisatoren ausgeschildert und deswegen problemlos zu finden) und war sehr pünktlich dort. Wie schon so einige andere.

 
Als erstes bekam ich meinen Ausweis, den Hinweis, wo sich die Toiletten befinden und dann ging es auf in den großen Raum. Dort fand auch das Frühstück statt.
Ich setzte mich irgendwo hin, füllte den Ausweis aus und verbrachte die restliche Zeit für mich. Der Raum wurde nach und nach immer voller und ganz gegen Ende sprach mich eine Person, die sich neben mir niedergelassen hatte, an und es stellte sich heraus, dass sie wie ich im Wortkompass unterwegs ist.
 
 
 

 
Danach ging es mit der Vorstellungsrunde los, bei der erklärt wurde, wie so ein Litcamp aufgebaut ist und im Anschluss auch gleich noch die Sessionvorschläge eingereicht und koordiniert wurden, sodass es pünktlich um 11:00 Uhr mit den ersten Sessions losgehen konnte.

 
Für die Sessions standen drei Räume zur Verfügung, auf die die Sessions aufgeteilt wurden. Das führte dazu, dass der Plan zwei Mal nachkorrigiert wurde. Das war ein wenig verwirrend, aber aus meiner Sicht auch keine zu große Panne.

 
Das Sessionangebot war vielfältig und manchmal hieß es zwischen zwei guten Ideen zu wählen. Ich habe mich dabei hauptsächlich auf die Themengebiete Mental Health und Queerness konzentriert und danach meine Sessions gewählt.
Die Sessions selbst waren sehr angenehm. Kein Lehrer-Schüler-Verhältnis mit einer Person, die referiert und andere hören einfach nur zu, sondern ein großes Miteinander. Dazu wurde auch immer von denen, die ihre Session angeboten hatten, aufgerufen. Nachfragen, Einwürfe, Vorschläge, zu allem waren sie bereit, wir sollten nur nicht damit zögern.

 
Nach den ersten beiden Sessions folgte die Mittagspause von einer Stunde, für die es über einen Caterer Suppe gab. Fragt mich nicht danach, durch meine Angst- wie auch Essstörung hatte ich mein eigenes Essen dabei und kann das Angebot nicht beurteilen. Alles angebotene Essen war vegan, darauf wurde von vornherein viel Wert gelegt.

 
Im Anschluss folgten zwei weitere Sessions von denen ich allerdings die erste ausgesetzt habe, weil mich keines der Themen sehr angesprochen hat und eine kleine ruhige Auszeit angenehm war. In meinem Alltag bin ich überwiegend zu Haus und auch nicht stark ausgelastet und dafür war dieser Tag sehr lang und die Pause willkommen. Die zweite Session drehte sich um die Nutzung der sozialen Medien. Die sind absolut nicht mein Steckenpferd und deswegen wollte ich daran teilnehmen. Es war sehr interessant. Ich habe festgestellt, dass ich einiges intuitiv so mache, wie es dort empfohlen wurde (beispielsweise in der Twitter-Beschreibung in Schlagworten anzugeben, was einen interessiert, als Anknüpfungspunkt für andere), aber eben auch Neues gelernt (seinen Autorennamen bereits frühzeitig als Hashtag nutzen, damit er bereits vergeben und damit quasi gebrandet ist).

 
Es folgte Zeit für Kuchen, von denen alle sehr begeistert waren, ich behaupte also mal, das war ein voller Erfolg.

 
Abschließend gab es eine weitere Session in jedem der drei Räume und danach versammelten wir uns alle für die Feedback-Runde im großen Raum.

 
Für mich endete das Litcamp danach, obwohl es noch weitere Möglichkeiten gab. Einerseits fanden nach dem Abendessen (das jeder außerhalb einnehmen konnte, wo er wollte, auch das wurde durch eine Liste während der Feedback-Runde organisiert, damit – wer wollte – gemeinsam essen gehen konnte) noch Lesungen in den Räumlichkeiten der SfE statt, andererseits gab es eine gemeinsame Schreib-Runde, immerhin war ja NaNo.
Ich habe mich auf den Heimweg gemacht, es war bereits 17:30 Uhr und ich seit achteinhalb Stunden dort, zuzüglich der Reise durch Berlin (Dank Arbeiten an den drei der vier Linien im Osten der Stadt, war das nicht ganz so simpel wie normal und brauchte noch etwas zusätzliche Zeit) war ich im Endeffekt auch elf Stunden unterwegs gewesen und für den Tag komplett fertig mit der Welt.

 
Am Sonntag gab es noch einen weiteren Tag, aber den habe ich zu Haus verbracht. Ich wusste, dem wäre ich nicht gewachsen.
Was ich allerdings online gesehen habe (der Hashtag #LitcampBER hilft weiter), gab es natürlich auch am Sonntag sehr interessante Sessions. Schaut unbedingt mal auf Twitter vorbei.

 
 

Fazit

Das Litcamp war toll. Spannend und ebenfalls aufregend.
Nachteilig war die Kälte in der Location. Das hat so ziemlich jeder angemerkt und das Orga-Team hat auch getan, was es konnte, um aus den Heizungen so viel Wärme wie möglich rauszuholen.
Was ich richtig toll fand, war der Code of Conduct und der Umgang aller Anwesenden untereinander. Jeder war rücksichtsvoll, hat darauf geachtet, bei allen nicht-binären und trans Menschen das richtige Pronomen zu verwenden und einfach inklusiv zu sein. Dieser eine Tag war eine wundervolle Bubble von der ich mir wünschte, dass sie in dieser Hinsicht Alltag würde.

 
Es soll für das nächste Jahr auch ein Litcamp geben und ich hoffe sehr, dass es sich umsetzen lässt.

 
Wart ihr schon mal bei einem Litcamp dabei?
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
Oder seid ihr neugierig, weil ihr bislang noch nicht die Gelegenheit hattet?

 
Bis denne ☆

Warum wir weniger Binarität brauchen

 
Und warum es mit Gendern allein längst nicht getan ist.

 
Gendern ist wichtig.
Der Differenzierung wegen. Der Diversität wegen. Damit Frauen nicht immer nur mitgemeint sind, wenn das generische Maskulinum verwendet wird.

 
Doch an genau diesem Punkt erschöpft sich das Thema dann auch schon.
Mann und Frau.
Binarität.

 
Nur gibt es eben nicht allein diese beiden Geschlechter, sondern so viele mehr.
Wenn also beim Gendern von Autor_in gesprochen wird, wo sind dann all die nicht-binären Geschlechter?
Sie werden mal wieder nur mitgemeint.

 
Ich kann nicht für alle sprechen, aber zumindest ein Teil von uns fühlt sich eben nicht angesprochen, nicht gemeint, nicht berücksichtigt.
Ich ganz persönlich tue es nicht.

 
Und für mich – und ganz sicher nicht nur für mich – gibt es noch ein ganz anderes Problem.
Ich möchte nicht im binären System von mir sprechen, weil ich nicht in dieses System passe. Ich bin weder Autorin noch Autor. Aber mehr bietet die deutsche Sprache nicht.
Das Gendern ist ein Anfang, doch es ist nach wie vor ausschließend. Nur mitmeinend.

 
Nun ist klar, dass der Wandel weder von jetzt auf gleich noch einfach so passiert.
Doch selbst Ansätze werden im Deutschen ignoriert. Wie dieses Beispiel in einem Twitter-Thread von Alex zeigt. Wobei gerade solche Plattformen und Medien die Reichweite haben, diesen Wandel zu unterstützen.
Stattdessen strotzen sie vor Ignoranz und wir werden wieder ausgegrenzt. Als gäbe es uns nicht.

 
Doch wir sind da.
Wir existieren.
Und wir verdienen denselben Respekt in dieser Sprache wie Mann und Frau auch.

 
Ich will nicht ständig auf Umschreibungen ausweichen müssen, wenn ich über mich spreche. Und ich will nicht umschrieben oder falsch gegendert erwähnt oder angesprochen werden.
Ich will nicht immer nur mitgemeint sein.

 
Dasselbe gilt im Übrigen für die ganzen Bemühungen (die ich nicht falsch, aber eben nicht ausreichend richtig finde) Frauen sichtbar zu machen. Denn erneut fallen alle nicht-binären Geschlechter runter. Sie werden nicht gesehen.
Da werden Listen und Tweets und Instaposts und was auch immer erstellt. Mit Frauen.
Nicht-binäre Personen können nicht eingeschlossen werden. Denn dann werden sie falsch gegendert. Es ist richtig, diese Personen nicht auf diese Listen zu setzen. Aber es macht sie unsichtbar.

 
Warum kann es nicht einfach um Menschen gehen? Und sie mit neutralen Begriffen bezeichnet werden?
Ich weiß, dass es darum gehen soll, weg von der führenden Maskulinität zu kommen. Weg vom generischen Maskulinum. Weg davon, dass Männer an vielerlei Stellen bevorzugt werden, weil wir uns in einem Patriarchat befinden. Und ich stimme diesem Grundgedanken zu.
Doch die Umsetzung sollte nicht schon wieder ausgrenzen und nur eine weitere Gruppe berücksichtigen.

 
Sie sollte alle einschließen. Egal welchen Geschlechts. Egal welcher Ethnie. Egal welches Äußeren. Egal welcher sexuellen Orientierung. Egal wessen auch immer. Es sollte einfach nur um Menschen gehen.

 
Bis denne ☆

Neuer Name – neues Ich?

 
Ich hätte den Beitrag auch „Warum ich jetzt einen neuen Namen habe und wieso er eigentlich überhaupt nicht neu ist“ nennen können, aber das war zu lang.

 
Also, hallo, ich bin Kuro. ^^

 
Seit ich im Februar 2017 in den sozialen Medien unter meinem bürgerlichen Namen (naja, in Kurzform beim Vornamen) gestartet bin, kennen mich die meisten mittlerweile darunter.
Kuro gibt es dagegen bereits seit 2007/2008 und für mich ist das seit langem eigentlich mein Name. Ich bin damit schon lange auch online unterwegs und ich rede mich selbst mit diesem Namen an (wenn ich mir sage, was ich gerade falsch gemacht habe oder mich lobe oder über mich lache usw.).

 
Bis 2012 gab es neben noch älteren Online-Namen nur diesen. Dann zerbrach eine Freundschaft, die ebenfalls eine Schreibpartnerschaft war. Als ich 2013 das erste Mal in ein Schreibforum kam, wollte ich unerkannt bleiben und baute mir eine weitere Online-Identität auf. Ursprünglich habe ich mich dort auch nur angemeldet, um entspannt mitlesen zu können, aber dabei ist es nicht geblieben. Aber diese Identität (ursprünglich Drachenschwinge, woraus ich Riyuu bildete) stand für meine schreibende Seite, während ich andere Interessen weiterhin unter Kuro verfolgte. 2017 habe ich Riyuu hinter mir gelassen und bin eben mit meinem bürglichen Namen ins Internet gegangen, zum ersten mal überhaupt.

 
Mit all den Veränderungen in meinem Leben in den letzten eineinhalb Jahren, dem familieninternen Bruch, der einer der Schritte zu meinem eigentlichen Ich war, will ich nicht mehr alles getrennt halten. Irgendwie ist es das immer noch. Aber eben jetzt auch hier zu Kuro zu werden bzw. es zu sein, ist ein Teil davon.

 
Ich mochte meinen bürgerlichen Namen nie wirklich. Als Kind war der Name mir egal, später mochte ich ihn einfach nicht. Auch nicht gängige Abkürzungen, weswegen ich eine sehr kurze Form gewählt hatte. Sie war für mich erträglich, solange ich mit dem Namen aufgetreten bin.

 
Twitter und Instagram sind bereits umbenannt.
Auf Facebook ist das nicht möglich. Denn Facebook schreibt zwar in seinen „Regeln“, dass man den Namen wählen soll, unter dem die meisten einen kennen und es sollte idealerweise der Name sein, der im Ausweis steht, nur stimmt beides bei mir eben nicht überein. Und ich habe in der Vergangenheit bereits einen Account verloren. Er wurde gesperrt und um ihn freizuschalten, soll ich mich mittels Personalausweis oder ähnlichem Dokument ausweisen. Was diese „Regel“ völlig lächerlich macht. Ich habe Freunde, die mich im Japanischkurs mit richtigem Namen kennengelernt haben, doch kaum hat sich der private Kontakt ergeben, haben sie angefangen, mich Kuro zu nennen und wann immer sie mit meinem richtigen Namen konfrontiert sind, irritiert er sie kurz, während Kuro für sie mein Name ist. Ich kann Kuro also nur als weiteren Namen hinzufügen (der, der auf dem Profil in Klammern angezeigt wird) und das mache ich sogar schon seit ein paar Monaten. Es fällt nur nicht auf, solange man nicht aufs Profil geht, was den Namen im Alltag doch wieder sehr unsichtbar macht.

 
Für den Blog/die Seite muss ich noch nach einer Lösung schauen. Mein Hostingpaket enthält nur eine Domain und die kann nicht umbenannt werden. Ob die Möglichkeit besteht, anderweitig nur eine Domain zu kaufen und dann umzuleiten, muss ich schauen. Das Paket hochzustufen, wird wahrscheinlich gleich noch viel mehr Features nach sich ziehen, die ich nicht benötige und somit die Kosten ebenfalls steigen lassen, was ich insgesamt vermeiden will. Dementsprechend bleibt die Domain zumindest vorübergehend bei meinem richtigen Namen.

 
Ansonsten erklärt sich jetzt vermutlich ein bisschen, warum ich als Pronomen K gewählt habe.

 
Ich fühle mich noch längst nicht vollständig, das ist mir vor ein paar Tagen bewusst geworden.
Aber mit jedem Schritt werde ich ein bisschen mehr ein Ganzes. Und ein bisschen mehr ich.

 
Bis denne ☆